
Informationen über die Tätigkeit der Telefonseelsorge im Jahr 2010.
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Die Telefonseelsorge Paderborn feierte 2011 ihr 25jähriges Jubiläum.
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Die Jahres- und Tätigkeitsberichte der Telefonseelsorge Paderborn finden Sie hier.
15.04.2011

„Trotz der ständig wachsenden Kommunikationsmöglichkeiten gibt es immer mehr Menschen, die niemanden haben, dem sie sich mit ihren Problemen, Belastungen, Sorgen und Unsicherheiten anvertrauen können“, beschreibt die Leiterin der Ökumenischen Telefonseelsorge Paderborn, Monika Krieg, eine der heutigen Paradoxien. Die Telefonseelsorge (TS) Paderborn, die seit 25 Jahren in Trägerschaft der katholischen Kirche mit evangelischer Beteiligung besteht, ist in dieser Situation eine wichtige Anlaufstelle. Die TS nimmt eine verlässliche öffentliche und gesundheitspolitische Funktion wahr. Besonders seit der Übernahme der Telefonkosten durch die Deutsche Telekom im Juli 1997 verzeichnet die TS Paderborn steigende Anruferzahlen. In 25 Jahren waren es insgesamt ca. 340.000 Anrufe.
Die Einführung der bundeseinheitlichen Rufnummern (0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222), die Kostenfreiheit aller Anrufe sowie die Regionalisierung führten dazu, dass sich auch in Paderborn die Anruferzahlen mehr als verdreifacht haben. Die eingegangenen Anrufe stiegen von 5.100 im Jahr 1987, auf 8.800 in 1997, 18.600 in 2005 und 23.500 Anrufen in 2010. Das waren in 2010 mehr als 16.000 Gespräche.
Das Einzugsgebiet der TS Paderborn umfasst die Kreise Höxter und Paderborn sowie seit 1987 den östlichen Teil des Kreises Soest. Die Probleme, über die die Anrufer sprechen, sind in den letzten 25 Jahren gleich geblieben: 20 Prozent der Gespräche handeln von Ehe- und Partnerschaftsproblemen. Zusammen mit den Themen Familie und Verwandtschaft machen Beziehungsthemen rund 40 % der Gespräche aus, 10 % handeln von Sinnsuche, nur 0,1 bis 0,2 % von religiösen Themen und 2 % sind reine Informationsanrufe.
Gegründet wurde die Telefonseelsorge 1953 in England, von einem anglikanischen Pfarrer, der Suizidgefährdeten Hilfe per Anruf in einer Anzeige anbot. Suizidprophylaxe macht bei der TS Paderborn circa 3 Prozent aus (1 Anruf pro Tag). Zugenommen hat dagegen die Anzahl der so genannten Scherzanrufe durch Kinder und Jugendliche, die die Leitung blockieren.
Gefeiert wurde das 25-jährige Jubiläum der TS Paderborn am 15. April. Der Ökumenische Festgottesdienst in der Abdinghofkirche, an dem viele der Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge teilnahmen, stand unter dem Leitmotiv „Wenn jemand spricht, wird es heller“ – ein Kinderzitat, überliefert von Sigmund Freund. „Dies ist die Grundlage und das heimliche Credo der Telefonseelsorge“, so die stellv. Leiterin der TS, Pfarrerin Monika Dinger in ihrer Predigt. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des TS-Kuratoriums, Dechant Hans-Jürgen Wollweber, der TS-Leiterin Monika Krieg und einigen Ehrenamtlichen gestaltete sie den Gottesdienst. Beim anschließenden Empfang im Rathaussaal berichtete der stellv. Bürgermeister i. R. Josef Hackforth davon, dass es vor 25 Jahren nicht leicht gewesen sei, die Ratskollegen von der Notwendigkeit der Einrichtung einer TS zu überzeugen. „Vom Hör-Sinn“ hieß der nachfolgende Beitrag von Pfarrer Werner Korsten, Leiter der TS Essen und stellv. Vorsitzender des bundesweiten Dachverbandes „Evangelische Konferenz für Telefonseelsorge“.
Als die Ökumenische Telefonseelsorge Paderborn am 14. April 1986 um 7 Uhr morgens ihre Arbeit aufnahm, gab es 58 zuvor ausgebildete Ehrenamtliche, die den 24-stündigen Dienst rund um die Uhr ermöglichten. Zurzeit sind es 65 Aktive im Alter zwischen 25 bis 75 Jahren (davon 10 Prozent Männer). Sie haben sich zum Schweigen über das Gehörte verpflichtet, bleiben selbst anonym und garantieren den Anrufern Anonymität. Nach ihrer anderthalbjährigen Ausbildung in Gesprächsführung und Selbsterfahrung haben sie sich verpflichtet, an Fortbildungen und Supervision teilzunehmen sowie mindestens zwei Jahr lang in der TS Paderborn aktiv zu sein. Die meisten bleiben länger: fünf bis zehn Jahre.
„Das Jubiläum ist für uns vor allem ein Dank an die Mitarbeitenden“, so die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, Anke Schröder: „Ohne das Ehrenamt wäre die Arbeit der Telefonseelsorge nicht möglich.“ „Wir stellen eine Pfarrstelle zur Verfügung sowie 30 Prozent der Sachkosten“, teilt die stellv. TS-Kuratoriumsvorsitzende mit. Seit 23 Jahren ist die evangelische Pfarrerin Monika Dinger stellv. Leiterin der TS. Gemeinsam mit der Leiterin Monika Krieg koordiniert sie, bildet aus und übernimmt Dienste am Telefon. Hinzu kommt eine Verwaltungsangestellte mit halber Stelle.
Die katholische und evangelische Kirche müssen die Defizite, die durch den Wegfall des Zuschusses der Stadt Paderborn seit 2011 (2010 noch 50 % in Höhe von 5000 Euro, zuvor jährlich 10.000 Euro) ausgleichen. „Telefonseelsorge soll flächendeckend erhalten bleiben“, stellt Anke Schröder fest. An der Finanzierung seien auf evangelischer Seite inzwischen alle 31 Kirchenkreise der westfälischen Landeskirche beteiligt. Auch die, die keine eigene TS haben.
Das Ehrenamt, die Grundlage der TS, umfasst vier Stunden in der Tagschicht dreimal pro Monat und eine achtstündige Nachtschicht alle fünf bis sechs Wochen. „Gehörten früher Frauen mittleren Alters nach ihrer Familienphase zu den typischen TS-Mitarbeitern, sind heute auch viele junge Frauen dabei, die die Elternzeit nutzen, um sich weiter zu qualifizieren und eine gesellschaftlich wertvolle und notwendige Arbeit zu tun“, informiert Monika Dinger. Sie freut sich darüber, dass bisher immer ausreichend Ehrenamtliche gefunden werden konnten.
Neue Medien und Kommunikationswege bedeuten für die TS neue Herausforderungen: So gibt es bereits seit September 2004 eine kleine Gruppe unter den Ehrenamtlichen, die die Seelsorge per E-Mailberatung übernommen hat. „Die Mail- und Chatberatung wird sich weiter ausbilden müssen“, blickt Monika Dinger in die Zukunft.
(Autorin Heide Welslau)